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Katrin-Jenny Webseiten Starke
Worte |
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Joachim
Ringelnatz
Joachim
Ringelnatz kam am 7. August 1883 als Hans Bötticher in Wurzen zur Welt. Der
Vater war Chefmusterzeichner in der Wurzener Tapetenfirma August Schütz. Vier
Jahre später zog Familie Bötticher in die Messe- und Buchstadt Leipzig in die
Straße „An der Alten Elster“. Für den kleinen Hans war der Fluss „Alte Elster“
ein beliebter Abenteuerspielplatz. Abschied der Seeleute Chor der
Seeleute: Wir
Fahrensleute Lieben
die See. Die
Seemannsbräute Gelten
für heute, Sind nur
für to-day. Die
Mädchen, die weinen, Sind
schwach auf den Beinen. Was
schert uns ihr Weh ! Das Weh,
ach das legt sich. Unsre
Heimat bewegt sich Und trägt
uns in See, Far-away. Chor der Mädchen: Wir, die
Bräute Der
Fahrensleute, Lieben
und küssen, Doch
wissen, sie müssen Zur
Seefahrt zurück. Und wenn
sie ertrinken, Dann -
wissen wir - winken Uns andre
zum Glück. An einem Teiche An einem
Teiche Schlich
eine Schleiche, Eine
Blindschleiche sogar. Da trieb
ein Etwas ans Ufer im Wind. Die
Schleiche sah nicht was es war, Denn sie
war blind. Das
dunkle Etwas aber war die Kindsleiche Einer
Blindschleiche. An meinen Lehrer Ich war
nicht einer deiner guten Jungen. An meinem
Jugendtrotz ist mancher Rat Und
manches wohlgedachte Wort zersprungen. Nun sieht
der Mann, was einst der Knabe tat. Doch hast
du, alter Meister, nicht vergebens An meinem
Bau geformt und dich gemüht. Du hast
die besten Werte meines Lebens Mit
heißen Worten mir ins Herz geglüht. Verzeih,
wenn ich das Alte nicht bereue. Ich will
mich heut wie einst vor dir nicht bücken. Doch
möcht ich dir für deine Lehrertreue nur
einmal dankbar, stumm die Hände drücken.
Arm Kräutchen Ein
Sauerampfer auf dem Damm stand
zwischen Bahngeleisen, machte
vor jedem D-Zug stramm, sah viele
Menschen reisen. Und stand
verstaubt und schluckte Qualm, schwindsüchtig
und verloren, ein armes
Kraut, ein schwacher Halm, mit
Augen, Herz und Ohren. Sah Züge
schwinden, Züge nahen. Der arme
Sauerampfer sah
Eisenbahn um Eisenbahn, sah
niemals einen Dampfer. Aus meiner Kinderzeit Vaterglückchen,
Mutterschößchen, Kinderstübchen,
trautes Heim, Knusperhexlein,
Tante Rös'chen Kuchen
schmeckt wie Fliegenleim. Wenn ich
in die Stube speie Lacht
mein Bruder wie ein Schwein Wenn er
lacht, haut meine Schwester, Wenn sie
haut, weint Mütterlein. Wenn die
weint, muß Vater fluchen. Wenn er flucht,
trinkt Tante Wein Trinkt
sie Wein, schenkt sie mir Kuchen: Wenn ich
Kuchen kriege, muß ich spein. Der Bücherfreund Ob ich
Biblio- was bin? Phile?
"Freund von Büchern" meinen Sie? Na, und
ob ich das bin! Ha! und
wie! Mir sind Bücher,
was den anderen Leuten Weiber,
Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel, Turnsport,
Wein und weiß ich was, bedeuten. Meine
Bücher --- wie beliebt? Wieviel? Was, zum
Henker, kümmert mich die Zahl. Bitte,
doch mich auszureden lassen. Jedenfalls:
viel mehr, als mein Regal Halb
imstande ist zu fassen. Unterhaltung?
Ja, bei Gott, das geben Sie mir
reichlich. Morgens zwölfmal nur Nüchtern
zwanzig Brockhausbände heben --- Hei ! das
gibt den Muskeln die Latur. Oh, ich
mußte meine Bücherei, Wenn ich
je verreiste, stets vermissen. Ob ein
Stuhl zu hoch, zu niedrig sei, Sechzig
Bücher sind wie sechzig Kissen. Ja
natürlich auch vom künstlerischen Standpunkt.
Denn ich weiß die Rücken So nach
Gold und Lederton zu mischen, Daß sie
wie ein Bild die Stube schmücken. Äußerlich?
Mein Bester, Sie vergessen Meine
ungeheure Leidenschaft, Pflanzen
fürs Herbarium zu pressen. Bücher
lasten, Bücher haben Kraft. Junger
Freund, Sie sind recht unerfahren, Und Sie
fragen etwas reichlich frei. Auch bei
andern Menschen als Barbaren Gehen
schließlich Bücher mal entzwei. Wie ? -
ich jemals auch in Büchern lese?? Oh, sie
unerhörter Ese--- Nein,
pardon! - Doch positus, ich säße Auf dem
Lokus und Sie harrten Draußen
meiner Rückkehr, ach dann nur Ja nicht
länger auf mich warten. Denn der
Lokus ist bei mir ein Garten, Den man
abseits ohne Zeit und Uhr Düngt und
erntet dann Literatur. Bücher -
Nein, ich bitte Sie inständig: Nicht
mehr fragen! Laß dich doch belehren! Bücher,
auch wenn sie nicht eigenhändig Handsigniert
sind, soll man hochverehren. Bücher
werden, wenn man will, lebendig. Über
Bücher kann man ganz befehlen. Und wer
Bücher kauft, der kauft sich Seelen, Und die
Seelen können sich nicht wehren. Der Komiker Ein
Komiker von erstem Rang Ging eine
Straße links entlang. Die Leute
sagten rings umher Hindeutend:
Das ist der und der! Der
Komiker fuhr aus der Haut Nach Haus
und würgte seine Braut. Nicht
etwa wie von ungefähr, Nein
ernst, als ob das komisch wär. Segelschiffe Sie haben
das mächtige Meer unterm Bauch Und über
sich Wolken und Sterne. Sie
lassen sich fahren vom himmlischen Hauch mit
Herrenblick in die Ferne. Sie
schaukeln kokett in des Schicksals Hand Wie
trunkene Schmetterlinge. Aber sie
tragen von Land zu Land Fürsorglich
wertvolle Dinge. Wie das
im Wind liegt und sich wiegt, Tauwebüberspannt
durch die Wogen, Da ist
eine Kunst, die friedlich siegt, Und ihr
Fleiß ist nicht verlogen. Es
rauscht wie Freiheit. Es riecht wie Welt. - Natur
gewordene Planken Sind
Segelschiffe. - Ihr Anblick erhellt Und
weitet unsre Gedanken. Ich habe dich so lieb Ich habe
dich so lieb! Ich würde
dir ohne Bedenken Eine
Kachel aus meinem Ofen Schenken.
Ich habe
dir nichts getan. Nun ist
mir traurig zu Mut. An den
Hängen der Eisenbahn Leuchtet
der Ginster so gut. Vorbei -
verjährt - Doch
nimmer vergessen. Ich
reise. Alles,
was lange währt, Ist
leise. Die Zeit
entstellt Alle
Lebewesen. Ein Hund
bellt. Er kann
nicht lesen. Er kann
nicht schreiben. Wir
können nicht bleiben. Ich
lache. Die
Löcher sind die Hauptsache An einem
Sieb. Ich habe
dich so lieb. Genau besehn Wenn man
das zierlichste Näschen Von
seiner liebsten Braut Durch ein
Vergrößerungsgläschen Näher
beschaut, Dann
zeigen sich haarige Berge, Daß einem
graut. Bumerang War
einmal ein Bumerang; War ein
Weniges zu lang. Bumerang
flog ein Stück, Aber kam
nicht mehr zurück. Publikum
- noch stundenlang - Wartete
auf Bumerang. Ansprache eines Fremden
an eine Geschminkte vom dem Wilberforcemonument Guten
Abend, schöne Unbekannte! Es ist
nachts halb zehn. Würden
Sie liebenswürdigerweise mit mir schlafen gehn? Wer ich
bin? -Sie meinen, wie ich heiße? Liebes
Kind, ich werde Sie belügen, Denn ich
schenke dir drei Pfund. Denn ich
küsse niemals auf den Mund. Von uns
beiden bin ich der Gescheitre. Doch du
darfst mich um drei weitre Pfund
betrügen. Glaube
mir, liebes Kind: Wenn man
einmal in Sansibar Und in
Tirol und im Gefängnis und in Kalkutta war, Dann
merkt man erst, daß man nicht weiß, wie
sonderbar Die Menschen sind. Deine
Ehre, zum Beispiel, ist nicht dasselbe Wie bei
Peter dem Großen L'honneur.- Übrigens
war ich -(Schenk mir das gelbe Band!)-
in Altona an der Elbe Schaufensterdekorateur.- Hast du
das Tuten gehört? Das ist
Wilson Line. Wie? Ich
sei angetrunken? O nein,
nein! Nein! Ich bin völlig besoffen und hundsgefährlich geistesgestört. Aber
sechs Pfund sind immer ein Risiko wert. Wie du
mißtrauisch neben mir gehst! Wart nur,
ich erzähle dir schnurrige Sachen. Ich weiß:
Du wirst lachen. Ich weiß:
Daß sie dich auch traurig machen. Obwohl du
sie gar nicht verstehst. Und auch
ich - Du wirst mir vertrauen - später in Hose und Hemd. Mädchen
wie du haben mir immer vertraut. Ich bin
etwas schief ins Leben gebaut. Wo mir
alles rätselvoll ist und fremd, Da wohnt
meine Mutter. -Quatsch! Ich bitte
dich: Sei recht laut! Ich bin
eine alte Kommode. Oft mit
Tinte oder Rotwein begossen; Manchmal
mit Fußtritten geschlossen. Der wird
kichern, der nach meinem Tode Mein
Geheimfach entdeckt.- Ach Kind,
wenn du ahntest, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt! Ich bin
auch nicht richtig froh. Ich habe
auch kein richtiges Herz. Ich bin nur
ein kleiner, unanständiger Schalk. Mein
richtiges Herz. Das ist anderwärts, irgendwo
Im Muschelkalk. Die Ameisen In
Hamburg lebten zwei Ameisen, Die
wollten nach Australien reisen. Bei
Altona auf der Chaussee, Da taten
ihnen die Beine weh, Und da
verzichteten sie weise Dann auf
den letzten Teil der Reise. Die Kartenlegerin Das
Schiff war schon im Hafen leck. Man
besserte an dem Schaden. Das
Schiff hatte Fässer geladen Und
Passagiere im Zwischendeck. Mittags
stieg eine Negerin In das
Matrosenlogis. Sie wäre
Kartenlegerin, Bedeutet
sie. "Two
shillings" - oder ein Kleidungsstück, Sie zeigt
auf wollene Sachen. So eine
weiss manchmal, wie man sein Glück Kann
machen. Sie reden
voreinander dumm, Gaben der
Alten zu saufen, Drückten
ihr lachend am Busen herum Und
liessen sie dann laufen. Nachts
hockte die alte, schwarze Kuh An Deck
zwischen Fässern und Tauen. Vor ihr
lag Kuttel Daddeldu Dienstmüde
und dachte an Frauen. Da legte
die Kartenlegerin Die
Karten, die ihn betrafen, An Deck
und murmelte vor sich hin. Kuttel
war eingeschlafen. Sie
murmelte Worte in den Wind. Das
Schiff fing an zu rollen. Das
Schiff und die Menschen darauf sind Verschollen. Gedicht in Bi-Sprache Ibich
habibebi dibich, Lobittebi,
sobi liebib. Habist aubich
dubi mibich Liebib?
Neibin, vebirgibib. Nabin
obidebir febirn, Gobitt
seibi dibir gubit. Meibin
Hebirz habit gebirn Abin
dibir gebirubiht. Liebesbrief So kann
es nun nicht weitergehn! Das, was
besteht, muß bleiben. Wenn wir
uns wieder wiedersehn, Muß
irgendetwas geschehn. Was wir
dann auf die Spitze treiben. Was - was
auf einer Spitze tut? Gewiß
nicht Plattitüden. Denn was
auf einer Spitze ruht, Wird
nicht so leicht ermüden. Auf einer
Bank im Grunewald Zu zweit
im Regen sitzen, Ist blöd.
Mut, Mädchen! Schreibe bald! Dein
Fritz! (Remember Spitzen). Hafenkneipe In der
Kneipe 'Zum Südwester' Sitzt der
Bruder mit der Schwester Hand in
Hand. Zwar der
Bruder ist kein Bruder, Doch die
Schwester ist ein Luder Und das
braune Mädchen stammt aus Feuerland. In der
Kneipe 'Zum Südwester' Ballt
sich manchmal eine Hand, Knallt
ein Möbel an die Wand. Doch in
jener selben Schenke Schäumt
um einfache Getränke Schwer
erkämpftes Seemannsglück. Die
Matrosen kommen, gehen. Alles
lebt vom Wiedersehen. Ein
gegangener Gast sehnt sich zurück. Durch die
Fensterscheibe aber träumt ein Schatten Derer,
die dort einmal Oder
keinmal Abenteuerliche
Freude hatten.
Kniebeuge Kniee -
beugt! Wir
Menschen sind Narren. Sterbliche
Eltern haben uns einst gezeugt. Sterbliche
Wesen werden uns später verscharren. Schäbige
Götter, wer seid ihr? und Wo? Warum
lasset ihr uns nicht länger so Menschlich
verharren? Was ist
denn Leben? Ein
ewiges Zusichnehmen und Vonsichgeben. - Schmach
euch, ihr Götter, daß ihr so schlecht uns versorgt, Daß ihr
uns Geist und Würde und schöne Gestalt nur borgt. Eure
Schöpfung ist Plunder, Das Werk
sodomitischer Nachtung. Ich
blicke mit tiefster Verachtung Auf euch
hinunter. Und redet
mir nicht länger von Gnade und Milde! Hier sitze
ich; forme Menschen nach meinem Bilde. Wehe
euch, Göttern, wenn ihr uns drüben erweckt! Beine
streckt! Morgenwonne Ich bin
so knallvergnügt erwacht. Ich
klatsche meine Hüften. Das
Wasser lockt. Die Seife lacht. Es
dürstet mich nach Lüften. Ein
schmuckes Laken macht einen Knicks Und
gratuliert mir zum Baden. Zwei
schwarze Schuhe in blankem Wichs Betiteln
mich "Euer Gnaden". Aus
meiner tiefsten Seele zieht Mit
Nasenflügelbeben Ein
ungeheurer Appetit Nach
Frühstück und nach Leben. An M. Der du
meine Wege mit mir gehst, Jede
Laune meiner Wimper spürst, Meine
Schlechtigkeiten duldest und verstehst - Weißt du
wohl, wie heiß du oft mich rührst? Wenn ich
tot bin darfst du gar nicht trauern. Meine
Liebe wird mich überdauern Und in
fremden Kleidern dir begegnen Und dich
segnen. Lebe,
lache gut! Mache
deine Sache gut! Kindergebetchen Erstes Lieber
Gott, ich liege Im Bett.
Ich weiß, ich wiege Seit
gestern fünfunddreißig Pfund. Halte Pa
und Ma gesund. Ich bin
ein armes Zwiebelchen, Nimm mir
das nicht übelchen. Zweites Lieber
Gott, recht gute Nacht, Ich hab
noch schnell Pipi gemacht, Damit ich
von dir träume. Ich
stelle mir den Himmel vor Wie
hinterm Brandenburger Tor Die
Lindenbäume. Nimm
meine Worte freundlich hin, Weil ich
schon so erwachsen bin. Drittes Lieber
Gott mit Christussohn, Ach
schenk mir doch ein Grammophon. Ich bin
ein ungezognes Kind, Weil
meine Eltern Säufer sind. Verzeih
mir, daß ich gähne. Beschütze
mich in der Not, Mach
meine Eltern noch nicht tot Und
schenk der Oma Zähne. Seepferdchen Als ich
noch ein Seepferdchen war, Im
vorigen Leben, Wie war
das wonnig, wunderbar Unter
Wasser zu schweben. In den
träumenden Fluten Wogte,
wie Güte, das Haar Der
zierlichsten aller Seestuten Die meine
Geliebte war. Wir
senkten uns still oder stiegen, Tanzten
harmonisch umeinand, Ohne Arm,
ohne Bein, ohne Hand, Wie
Wolken sich in Wolken wiegen. Sie
spielte manchmal graziöses Entfliehn Auf dass
ich ihr folge, sie hasche, Und legte
mir einmal im Ansichziehn Eierchen
in die Tasche. Sie
blickte traurig und stellte sich froh, Schnappte
nach einem Wasserfloh, Und
ringelte sich An einem
Stengelchen fest und sprach so: Ich liebe
dich! Du
wieherst nicht, du äpfelst nicht, Du trägst
ein farbloses Panzerkleid Und hast
ein bekümmertes altes Gesicht, Als
wüsstest du um kommendes Leid. Seestütchen!
Schnörkelchen! Ringelnass! Wann war
wohl das? Und wer
bedauert wohl später meine restlichen Knochen? Es ist
beinahe so, dass ich weine - Lollo hat
das vertrocknete, kleine Schmerzverkrümmte
Seepferd zerbrochen Logik Die Nacht
war kalt und sternenklar, da trieb
im Meer bei Norderney ein
Suahelischnurrbarthaar - die
nächste Schiffsuhr wies auf drei. Mir
scheint da mancherlei nicht klar: man fragt
doch, wenn man Logik hat, Was sucht
ein Suahelihaar denn
nachts um drei am Kattegatt? Großer Vogel Die
Nachtigall ward eingefangen, Sang
nimmer zwischen Käfigstangen. Man
drohte, kitzelte und lockte. Gall sang
nicht. Bis man die Verstockte In
tiefsten Keller ohne Licht Einsperrte.
- Unbelauscht, allein Dort,
ohne Angst vor Widerhall, Sang sie Nicht -
-, Starb
ganz klein Als
Nachtigall. Nie bist du ohne Nebendir Eine
Wiese singt. Dein Ohr
klingt. Eine
Telefonstange rauscht. Ob du im
Bettchen liegst Oder über
Frankfurt fliegst, Du bist
überall gesehn und belauscht. Gonokokken
kieken. Kleine
Morcheln horcheln. Poren
sind nur Ohren. Alle
Bläschen blicken. Was du
verschweigst, Was du
andern nicht zeigst, Was dein
Mund spricht Und deine
Hand tut, Es kommt
alles ans Licht. Sei
ohnedies gut. Im Park Ein ganz
kleines Reh stand am ganz kleinen Baum still und
verklärt wie im Traum. Das war
des Nachts elf Uhr zwei. Und dann
kam ich um vier Morgens
wieder vorbei. Und da träumte
noch immer das Tier. Nun
schlich ich mich leise - ich atmete kaum - gegen den
Wind an den Baum, und gab
dem Reh einen ganz kleinen Stips. Und da
war es aus Gips. Ruf zum Sport Auf ihr
steifen und verdorrten Leute aus
Büros, Reißt
euch mal zum Wintersporten Von den
Öfen los. Bleiches
Volk an Wirtshaustischen, Stellt
die Gläser fort. Widme
dich dem freien, frischen, Frohen
Wintersport. Denn er
führt ins lodenfreie Gletscherfexlertum
Und
bedeckt uns nach der Reihe All mit Schnee
und Ruhm. Doch
nicht nur der Sport im Winter, Jeder
Sport ist plus, Und mit
etwas Geist dahinter Wird er
zum Genuß. Sport
macht Schwache selbstbewußter, Dicke
dünn, und macht Dünne
hinterher robuster, Gleichsam
über Nacht. Sport
stärkt Arme, Rumpf und Beine, Kürzt die
öde Zeit, Und er
schützt uns durch Vereine Vor der
Einsamkeit, Nimmt den
Lungen die verbrauchte Luft,
gibt Appetit; Was uns
wieder ins verrauchte Treue Wirtshaus zieht. Wo man
dann die sporttrainierten Muskeln trotzig
hebt Und
fortan in illustrierten Blättern
weiterlebt. Silvester Daß bald
das neue Jahr beginnt, Spür ich
nicht im geringsten. Ich merke
nur: Die Zeit verrinnt Genauso
wie zu Pfingsten, Genau wie
jährlich tausendmal. Doch Volk
will Griff und Daten. Ich höre
Rührung, Suff, Skandal, Ich
speise Hasenbraten. Mit
Cumberland, und vis-à-vis Sitzt von
den Krankenschwestern Die
sinnlichste. Ich kenne sie Gut, wenn
auch erst seit gestern. Champagner
drängt, lügt und spricht wahr. Prosit, barmherzige
Schwester! Auf! In
mein Bett! Und prost Neujahr! Rasch!
Prosit! Prost Silvester! Die Zeit
verrinnt. Die Spinne spinnt In
heimlichen Geweben. Wenn
heute nacht ein Jahr beginnt, Beginnt
ein neues Leben. Nachtschwärmen Die alte
Pappel schauert sich neigend, Als habe
das Leben sie müde gemacht. Ich und
mein Lieb – hier ruhen wir schweigend – Und vor
uns wallt die drückende Nacht. Bis sich
zwei schöne Gedanken begegnen, – Dann löst
sich der bleierne Wolkenhang. Goldene,
sprühende Funken regnen Und
füllen die Welt mit lustigem Klang. Ein
trüber Nebel ist uns zerronnen. Ich lege
meine in deine Hand. Mir ist,
als hätt ich dich neu gewonnen. – Und vor
uns schimmert ein goldenes Land. Übergewicht Es stand
nach einem Schiffsuntergange Eine Briefwaage
auf dem Meeresgrund. Ein
Walfisch betrachtete sie bange, Beroch
sie dann lange, Hielt sie
für ungesund, Ließ alle
Achtung und Luft aus dem Leibe, Senkte
sich auf die Wiegescheibe Und sah -
nach unten schielend - verwundert: Die Waage
zeigte über Hundert. Nach dem Gewitter Der Blitz
hat mich getroffen. Mein
stählerner, linker Manschettenknopf ist
weggeschmolzen, und in meinem Kopf summt es,
als wäre ich besoffen. Der
Doktor Berninger äußerte sich darüber
sehr ungezogen: Das mit
dem Summen wär' typisch für mich, das mit
Blitz wär' erlogen. Ein Nagel
saß in einem Stück Holz Ein Nagel
saß in einem Stück Holz. Der war
auf seine Gattin sehr stolz. Die trug
eine goldene Haube Und war
eine Messingschraube. Sie war etwas
locker und etwas verschraubt, Sowohl in
der Liebe, als auch überhaupt. Sie
liebte ein Häkchen und traf sich mit ihm In einem
Astloch. Sie wurden intim. Kurz,
eines Tages entfernten sie sich Und
ließen den armen Nagel im Stich. Der arme
Nagel bog sich vor Schmerz. Noch
niemals hatte sein eisernes Herz So
bittere Leiden gekostet. Bald war
er beinah verrostet. Da aber
kehrte sein früheres Glück, Die alte
Schraube, wieder zurück. Sie
glänzte übers ganze Gesicht. Ja, alte
Liebe, die rostet nicht! Die Schnupftabaksdose Es war
eine Schnupftabaksdose Die hatte
Friedrich der Große Sich
selbst geschnitzelt aus Nußbaumholz. Und
darauf war sie natürlich stolz. Da kam
ein Holzwurm gekrochen. Der hatte
Nußbaum gerochen Die Dose erzählte
ihm lang und breit. Von
Friedrich dem Großen und seiner Zeit. Sie
nannte den alten Fritz generös. Da aber
wurde der Holzwurm nervös Und
sagte, indem er zu bohren begann "Was
geht mich Friedrich der Große an!"
Ein männlicher Briefmark erlebte Ein
männlicher Briefmark erlebte Was
Schönes, bevor er klebte. Er war
von einer Prinzessin beleckt. Da war
die Liebe in ihm erweckt. Er wollte
sie wiederküssen, Da hat er
verreisen müssen. So liebte
er sie vergebens. Das ist
die Tragik des Lebens! Bist du schon auf der Sonne
gewesen? Bist du
schon auf der Sonne gewesen? Nein? -
Dann brich dir aus einem Besen Ein
kleines Stück Spazierstock heraus Und
schleiche dich heimlich aus dem Haus Und
wandere langsam in aller Ruh Immer
direkt auf die Sonne zu. So lange,
bis es ganz dunkel geworden. Dann
öffne leise dein Taschenmesser, Damit
dich keine Mörder ermorden. Und wenn
du die Sonne nicht mehr erreichst, Dann ist
es fürs erstemal schon besser, Daß du
dich wieder nach Hause schleichst. Die neuen Fernen In der
Stratosphäre, Links vom
Eingang, führt ein Gang (Wenn er
nicht verschüttet wäre) Sieben
Kilometer lang Bis ins
Ungefähre. Dort
erkennt man weit und breit Nichts.
Denn dort herrscht Dunkelheit. Wenn man
da die Augen schließt Und sich
langsam selbst erschießt, Dann
erinnert man sich gern An den
deutschen Abendstern. Die Weihnachtsfeier des Seemanns
Kuttel Daddeldu Die
Springburn hatte festgemacht Am
Peterskai. Kuttel
Daddeldu jumpte an Land, Durch den
Freihafen und die stille heilige Nacht Und am
Zollwächter vorbei. Er
schwenkte einen Bananensack in der Hand. Damit
wollte er dem Zollmann den Schädel spalten. Wenn er
es wagte, ihn anzuhalten. Da flohen
die zwei voreinander mit drohenden Reden. Aber auf
einmal trafen sich wieder beide im König von Schweden. Daddeldus
Braut liebte die Männer vom Meere, denn sie
stammte aus Bayern. Und jetzt
war sie bei einer Abortfrau in der Lehre, Und bei
ihr wollte Kuttel Daddeldu Weihnachten feiern. Im König
von Schweden war Kuttel bekannt als Krakeeler, Deswegen
begrüßte der Wirt ihn freundlich: "Hallo old sailer!" Daddeldu
liebte solch freie, herzhafte Reden, Deswegen
beschenkte er gleich den König von Schweden. Er
schenkte ihm Feigen und sechs Stück Kolibri Und
sagte: "Da nimm, du Affe!" Daddeldu
sagte nie "Sie". Er hatte
auch Wanzen und eine Masse Chinesischer
Tassen für seine Braut mitgebracht. Aber nun
sangen die Gäste "Stille Nacht, Heilige Nacht". Und da
schenkte er jeden Gast eine Tasse Und
behielt für die Braut nur noch drei. Aber als
er sich später mal drauf setzte, Gingen
auch diese versehentlich noch entzwei, Ohne daß
sich Daddeldu selber verletzte. Und ein
Mädchen nannte ihn Trunkenbold Und schrie:
er habe sie an die Beine geneckt. Aber
Daddeldu zahlte alles in englischen Pfund in Gold. Und das
Mädchen steckte ihm Christkonfekt Still in
die Taschen und lächelte hold. Und goß
noch Genever zu dem Gilka mit Rum in den Sekt. Daddeldu
dachte an die wartende Braut. Aber es
hatte nicht sein gesollt, Denn nun
sangen sie wieder so schön und so laut. Und
Daddeldu hatte die Wanzen noch nicht verzollt, Deshalb
zahlte er alles in englischen Pfund in Gold. Und das
war alles wie Traum. Plötzlich
brannte der Weihnachtsbaum. Plötzlich
brannte das Sofa und die Tapete, Kam eine
Marmorplatte geschwirrt, Rannte
der große Spiegel gegen den kleinen Wirt. Und die
See ging hoch und der Wind wehte. Daddeldu
wankte mit einer blutigen Nase (Nicht mit
seiner eigenen) hinaus auf die Straße. Und eine
höhnische Stimme hinter ihm schrie: "Sie
Daddel Sie!" Und links
und rechts schwirrten die Kolibri. Die
Weihnachtskerzen im Pavillon an der Mattentwiete erloschen. Die alte
Abortfrau begab sich zur Ruh. Draußen
stand Daddeldu Und
suchte für alle Fälle nach einem Groschen. Da trat
aus der Tür seine Braut Und
weinte laut: Warum er
so spät aus Honolulu käme? Ob er
sich gar nicht mehr schäme? Und
klappte die Tür wieder zu An der
Tür stand: "Für Damen". Es
dämmerte langsam. Die ersten Kunden kamen, Und
stolperten über den schlafenden Daddeldu.
Vom Seemann Kuttel Daddeldu Eine Bark
lief ein in Le Haver, Von
Sidnee kommend, nachts elf Uhr drei. Es roch
nach Himbeeressig am Kai, Und nach Hundekadaver.
Kuttel
Daddeldu ging an Land. Die Rü
Albani war ihm bekannt. Er kannte
nahezu alle Hafenplätze. Weil vor
dem ersten Hause ein Mädchen stand, Holte er
sich im ersten Haus von dem Mädchen die Krätze. Weil er
das aber natürlich nicht gleich empfand, Ging er
weiter - kreuzte topplastig auf wilder Fahrt. Achtzehn
Monate Heuer hatte er sich zusammengespart. In Nr. 6
traktierte er Eiwie und Kätchen, In 8
besoff ihn ein neues, straff lederbusiges Weib. Nebenan
bei Pierre sind allein sieben gediegene Mädchen Ohne die
mit dem Zelluloid-Unterleib. Daddeldu, the old Seelerbeu Kuttel, Verschenkte
den Albatrosknochen, Das
Haifischrückgrat, die Schals, Den
Elefanten und die Saragossabuttel. Das hatte
er eigentlich alles der Mary versprochen, Der
anderen Mary; das war seine feste Braut. Daddeldu
- Hallo! Daddeldu, Daddeldu
wurde fröhlich und laut. Er wollte
mit höchster Verzerrung seines Gesichts Partu
einen Niggersong singen Und
"Blu beus blu". Aber es
entrang sich ihm nichts. Daddeldu
war nicht auf die Wache zu bringen. Daddeldu
Duddel Kuttelmuttel, Katteldu erwachte
erstaunt und singend morgens um vier Zwischen
Nasenbluten und Pomm de Schwall auf der Pier. Daddeldu
bedrohte zwecks Vorschuß den Steuermann. Schwitzte
den Spiritus aus. Und wusch sich dann. Daddeldu
ging nachmittags wieder an Land, Wo er ein
Renntiergeweih, eine Schlangenhaut, Zwei
Fächerpalmen und Eskimoschuhe erstand. Das
brachte er aus Australien seiner Braut.
Abendgebet einer erkälteten Negerin Ich suche
Sternengefunkel. Sonne
brennt mich dunkel. Sonne drohet mit Stich. Warum
brennt mich die Sonne im Zorn? Warum
brennt sie gerade mich? Warum
nicht Korn? Ich folge
weißen Mannes Spur. Der Mann
war weiß und roch so gut. Mir ist
in meiner Muschelschnur So
neglige zu Mut. Kam in
mein Wigwam Weit über
das Meer, Seit er
zurückschwamm, Das
Wigwam Blieb
leer. Drüben am
Walde Kängt ein
Guruh - - Warte nur
balde Kängurst
auch du. Heimatlose Ich bin
fast Gestorben
vor Schreck: In dem
Haus, wo ich zu Gast War, im
Versteck, Bewegte
sich, Regte
sich Plötzlich
hinter einem Brett In einem
Kasten neben dem Klosett, Ohne
Beinchen, Stumm,
fremd und nett Ein
Meerschweinchen. Sah mich
bange an, Sah mich
lange an, Sann wohl
hin und sann her, Wagte
sich Dann
heran Und
fragte mich: "Wo
ist das Meer?" Lampe und Spiegel "Sie
faule, verbummelte Schlampe!" sagte der
Spiegel zur Lampe. "Sie
altes, schmieriges Scherbenstück!" gab die
Lampe dem Spiegel zurück. Der Spiegel
in seiner Erbitterung bekam
einen ganz gewaltigen Sprung. Der
zornigen Lampe verging die Puste: Sie
fauchte, rauchte, schwelte und ruste. Das
Stubenmädchen ließ beide in Ruhe und doch
- man schob ihr die Schuld in die Schuhe.
Ohrwurm und Taube Der
Ohrwurm mochte die Taube nicht leiden. Sie haßte
den Ohrwurm ebenso. Da trafen
sich eines Tages die beiden in einer
Straßenbahn irgendwo. Sie
schüttelten sich erfreut die Hände und
lächelten liebenswürdig dabei und
sagten einander ganze Bände von
übertriebener Schmeichelei. Doch
beide wünschten sie sich im stillen, der andre
möge zum Teufel gehn, und da es
geschah nach ihrem Willen, so gab es
beim Teufel ein Wiedersehn. Wie mag er aussehen? Wer hat
zum Steuerbogenformular den Text
erfunden? Ob der in
jenen Stunden, da er
dies Wunderwirr gebar, wohl ganz
--- oder total --- war? Du liest
den Text. Du sinnst. Du spinnst. Du grinst
- "Welch Rinds" - Und du beginnst wieder
und wieder. Eisigkalt kommt die
Vision dir "Heilanstalt". Für ihn?
Für dich? - Dein Witz erblaßt. Der Mann,
der jenen Text verfaßt, was mag
er dünkeln oder wähnen? Ahnt er
denn nichts von Zeitverlust und Tränen? Wir
kommen nicht auf seine Spur. Und er
muß wohl so sein und bleiben. Auf
seinen Grabstein sollte man nur den Text
vom Steuerbogen schreiben. Am Barren Deutsche
Frau, dich ruft der Barrn, Denn dies
trauliche Geländer Fördert
nicht nur Hirn und Harn, Sondern
auch die Muskelbänder, Unterleib
und Oberlippe. Sollst,
das Hüftgelenk zu stählen, Dich im
Knickstütz ihm vermählen. Deutsches
Weib, komm: Kippe, kippe! Deutsche
Frau, nun laß dich wieder Ellengriffs
im Schwimmhang nieder. So, nun
Hackenschluß! Und schwinge! Schwinge!
Hurtig um den Leib! Oh, es
gibt noch wundervolle Dinge.
Rolle rückwärts! Rolle! Rolle
rückwärts, deutsches Weib! Deutsche
Jungfrau, weg das Armband! In die
Hose! Aus dem Rocke! Aus dem
Streckstütz in den Armstand, Nur die
Flanke. Sehr gut! Danke! Deutsches
Mädchen- Hocke, Hocke! Mußt dich
keck emanzipieren Und mit
kindlichem "Ätsch-Ätsche" Über
Männer triumphieren, Mußt wie
Bombe und Kartätsche Deine
Kräfte demonstrieren. Deutsches
Mädchen- Grätsche! Grätsche! Was die Irre sprach Wir armen
Schizophrenen! Wir sind
nur ein Begriff. Wir
lassen uns endlos dehnen. Aber es
war ein englisches Schiff. Ich weiß,
Sie möchten was fragen; Seien Sie
ruhig ganz streng zu mir. Sie sind
nur glücklich, und ein Tier - Muß man
treten und schlagen. Die
Blicke sind selbstverständlich Bei Kapitänen
Befehle. Ich habe
auch Eure Seele, Aber -
die Schwester lügt. Sie lügt schändlich. Vielleicht
ist Hingeben Schande. Kein Tier
weiß, was es redlich tut. So wahr
er tausend Meter vom Lande - Amen - im
Wasser ruht. Nein
danke! Ich bin nicht müde. Oder
spreche ich Ihnen zu viel? - Die
Quintessenz der Güte Liegt
schließlich nicht im Peitschenstiel. Er hebt
oder senkt die Blüte. - Nun aber
genug im grausamen Spiel. Sie haben
doch recht! Ich bin müde. Living or
dead - Mir riecht sich das gleich. Aber
wären sie englisch ersoffen, Sie kämen
vielleicht auch ins Himmelreich. - Amen. -
Wir wollen es hoffen. - Jetzt ist
er zum ersten Male weich. Sehen Sie
nur: Wie der Oberarzt schaut? Er soll
viel strenger zu mir sein. Ich bin doch
allein. Weil ich ein Schwein Bin. Ich
bin eine Seemalmsbraut Tausend
Meter vom Lande. - Die
Schwester hält das für Schande. Ihr
schmutziges Volk! Euer Captain ist fort. - Nie
wieder die Stiefel lecken muß. Ja, führt
mich hinaus! Wir treffen uns dort. - Wo Anfang
ist, da ist auch ein Schluß. Weil Ihr
uns um unser freieres Sehnen Beneidet.
- Hier fragt sich: Wer führt das Wort? Ihr armen
Schizophrenen. "Oh", rief ein Glas
Burgunder "Oh",
rief ein Glas Burgunder, "Oh
Mond, du göttliches Wunder! Du gießt
aus silberner Schale Das
liebestaumelnde, fahle, Trunkene
Licht wie sengende Glut Hin über
das nachtigallene Land --" Da rief
der Mond, indem er verschwand: "Ich
weiß, ich weiß! Schon gut! Schon gut!"
Sich interessant machen (für einen
großen Backfisch) Du kannst
doch schweigen? Du bist doch kein Kind Mehr! -
Die Lederbände im Bücherspind Haben,
wenn du die umgeschlagenen Deckel hältst, Hinten
eine kleine Höhlung im Rücken. Dort
hinein mußt du weichen Käse drücken. Außerdem
kannst du Käsepfropfen Tief
zwischen die Sofapolster stopfen: Lasse
ruhig eine Woche verstreichen. Dann mußt
du immer traurig herumschleichen. Bis die
Eltern nach der Ursache fragen. Dann tu
erst, als wolltest du ausweichen, Und
zuletzt mußt du so stammeln und sagen: "Ich
weiß nicht, - ich rieche überall Leichen - ." Deine
Eltern werden furchtbar erschrecken Und
überall rumschnüffeln nach Leichengestank, Und dich
mit Schokolade ins Bett stecken. Und zum
Arzt sage dann: "Ich bin seelenkrank." Nur laß dich
ja nicht zum Lachen verleiten. Deine
Eltern - wie die Eltern so sind - Werden
bald überall verbreiten: Du wärst
so ein merkwürdiges, interessantes Kind.
Schenken Schenke
groß oder klein, Aber
immer gediegen. Wenn die
Bedachten Die Gaben
wiegen, Sei dein
Gewissen rein. Schenke
herzlich und frei. Schenke
dabei Was in
dir wohnt An
Meinung, Geschmack und Humor, sodaß die
eigene Freude zuvor Dich
reichlich belohnt. Schenke
mit Geist ohne List. Sei
eingedenk, Daß dein
Geschenk Du selber
bist. Überall Überall
ist Wunderland Überall
ist Leben Bei
meiner Tante im Strumpfenband wie
irgendwo daneben. Überall
ist Dunkelheit Kinder
werden Väter. Fünf
Minuten später stirbt
sich was für einige Zeit. Überall
ist Ewigkeit. Wenn Du
einen Schneck behauchst Schrumpft
er ins Gehäuse, Wenn Du
ihn in Kognak tauchst, Sieht er
weiße Mäuse. Stammbuchvers So an ein
Stammbuch hingezerrt hat man
Verdruß. Man fühlt
sich aufs Klosett gesperrt Obwohl
man garnicht muß. Denn
mancher Gast will weitergehn Und will
nichts stehen lassen Und seine
Klexe ungesehen Nur
werfen, wo sie passen. Vorbei ist das Fasten Kameraden,
vorbei ist das Fasten, Ich sehe
den Leuchtturm durchs Glas. Schon
flattern um unsere Masten Die
Möwen. Im Wasser schwimmt Gras. Schon
steigen die Türme vom Hafen Wie
Kräuterkäse grün aus dem Grau. Old
sailorboys, heute nacht schlafen Wir alle
an Land bei der Frau. Vielleicht
tanzen wir heute Und
saufen soviel uns behagt. Wir haben
als Fahrensleute Solang
dem Vergnügen entsagt. Zu einem Geschenk Ich
wollte Dir was dedizieren Nein,
schenken; was nicht zuviel kostet, Aber was
aus Blech ist, rostet Und die
Messinggegenstände oxydieren. Und was
kosten soll es eben doch. Denn aus
Mühe mach ich extra noch Was auch
hinzu, auch kleine Witze. Wär' bei
dem, was ich besitze, Etwas
Altertümliches dabei Doch was
nützt Dir meine Lanzenspitze! An dem
Bierkrug sind die beiden Löwenköpfe
schon entzwei Und den
Buddha mag ich selber leiden. Und du
sammelst keine Schmetterlinge Die mein
Freund aus China mitgebracht. Nein das
Sofa und so große Dinge Kommen
überhaupt nicht in Betracht. Außerdem
gehören sie nicht mir. Ach, ich
hab' die ganze letzte Nacht Rumgegrübelt,
was ich Dir Geben
könnte. Schlief deshalb nur eine Allerhöchstens
zwei von sieben Stunden, Und zum
Schluß hab' ich doch nur dies kleine Lumpige
beschißne Ding gefunden. Aber gern
hab ich für dich gewacht. Was ich
nicht vermochte, tu du's: Drücke du Nun ein
Auge zu. Und
bedenke Daß ich
Dir fünf Stunden Wache schenke. Laß mich
auch in Zukunft nicht in Ruh. Das Schlüsselloch Das
Schlüsselloch, das im Haupttor saß, Erlaubte
sich nachts einen Spaß. Es nahten
Studenten Mit
Schlüsseln in Händen. Da dachte
das listige Schlüsselloch: Ich will
mich verstecken, Um sie zu
necken! Worauf es
sich wirklich seitwärts verkroch. Alsbald
nun tasteten die Studenten Suchend, Fluchend; Mit
Händen An
Wänden. Und weil
sie nichts fanden, zogen sie weiter. Schlüsselloch
lachte heiter. (Die
Herren erreichten ihr Zimmer nimmer. Eigentlich
war die Sache noch schlimmer. Ich
selbst war nämlich bei den Studenten - Doch
lassen wir es dabei bewenden.) Der Glückwunsch Ein
Glückwunsch ging ins neue Jahr, Ins Heute
aus dem Gestern. Man hörte
ihn sylvestern. Er war
sich aber selbst nicht klar, Wie
eigentlich sein Hergang war Und ob
ihn die Vergangenheit Bewegte
oder neue Zeit. Doch
brachte er sich dar, und zwar Undeutlich
und verlegen. Weil man
ihn nicht so ganz verstand, So
drückte man sich froh die Hand Und nahm
ihn gern entgegen. Der letzte Weg "Ich
gehe ins Wasser," sagte sie leis, "Ade!" Du hast
es gut mit mir gemeint. So weiß
ich einen, der um mich weint. Hab
Dank!" Ich aber
sah ihr tiefes Weh Und
küsste sie, die arm und krank, Und
sagte: "Geh!" Der sächsische Dialekt Wenn man
den sächsischen Dialekt Ein
bisschen dehnt und ein bisschen streckt Und
spricht ihn noch ein bisschen traniger; Dann hält
ein jeder für einen Spanier! Die Frau mit der Reiherfeder Ich weiß
nicht genau, Warum ich
so oft an die bleiche Frau Mit der
weißen Reiherfeder denke, Mich
immer in den Gedanken versenke: Wie
könnte es werden, wie würde es sein, Wäre sie
dein. - - Ich weiß
es nicht und frage vergebens. Sie ist
auf dem bunten Wege des Lebens Irgendwo
still an mir vorüber gegangen, Die schöne
Frau mit den bleichen Wangen. Sie hat
mich mit kalten Blicken gemessen; Wir haben
kein einziges Wort getauscht, Doch sie
hat mich mit fremdem Zauber berauscht, Dass ich
sie nimmer werde vergessen. Etwas wie
sehnende, nagende Glut Will mir
das pochende Herz zerreißen; Denk ich
der bleichen Frau mit der weißen, Wehenden Reiherfeder am Hut.
Ein Pflasterstein, der war einmal Ein
Pflasterstein, der war einmal Und wurde
viel beschritten. Er
schrie: "Ich bin ein Mineral Und muss
mir ein für allemal Dergleichen
streng verbitten!" Jedoch
den Menschen fiel's nicht ein, Mit ihm
sich zu befassen, Denn
Pflasterstein bleibt Pflasterstein Und muss
sich treten lassen. Ein
Taschenkrebs und ein Känguruh Ein
Taschenkrebs und ein Känguruh, Die wollten
sich ehelichen. Das
Standesamt gab es nicht zu, Weil
beide einander nicht glichen. Da riefen
sie zornig: "Verflucht und verdammt Sei
dieser Bürokratismus!" Und
hingen sich auf vor dem Standesamt An einem
Türmechanismus Es war
ein Brikett, ein großes Genie Es war
ein Brikett, ein großes Genie, Das
Philosophie studierte Und
später selbst an der Akademie Im
gleichen Fache dozierte. Es sprach
zur versammelten Briketterie: "Verehrliches
Auditorium, Das Leben
- das Leben - beachten Sie - Ist
nichts als ein Provisorium." Da wurde
als ketzerisch gleich verbannt Der Satz
mit dem Provisorium. Das arme
Brikett, das wurde verbrannt In einem
Privatkrematorium. Es war ein Stahlknopf irgendwo Es war
ein Stahlknopf irgendwo, Der ohne Grund
sein Knopfloch floh. (Vulgär
gesprochen: Es stand offen.) Ihm saß ein Fräulein vis-à-vis. Das
lachte plötzlich: Hi hi hi. Da fühlte
sich der Knopf getroffen Und
drehte stumm Sich um. Solch
Peinlichkeiten sind halt nur Die
schlimmen Folgen der Natur. |
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